#beziehungsweise: jüdisch und christlich

Kirchengemeinden beteiligen sich an Kampagne zum Thema "Judentum und Christentum"

Grafik: www.juedisch-beziehungsweise-christlich.de
Grafik: www.juedisch-beziehungsweise-christlich.de

Manchen Passantinnen und Passanten sind sie vielleicht schon aufgefallen, die farbigen Plakate in den Schaukästen von Kirchengemeinden im Kirchenkreis Burgdorf und anderen christlichen Gemeinden. Auf den Plakaten werden unter einer Überschrift ein Fest oder ein Thema aus dem jüdischen und meist aus dem christlichen Umfeld in Beziehung gesetzt. "Schabbat beziehungsweise Sonntag“, heißt es da zum Beispiel in Kürze, "Pessach beziehungsweise Ostern“ oder auch "Purim beziehungsweise Karneval“.

Zu Pessach feiern Jüdinnen und Juden die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten, Christinnen und Christen zu Ostern die Auferstehung Jesu vom Tod. Gott befreit und erlöst. Auch heute. Daher heißt es auf diesem Plakat "Pessach beziehungsweise Ostern“. An Purim wird die Rettung des jüdischen Volkes vor der Vernichtung durch ein staatlich organisiertes Pogrom erinnert. Im Karneval werden herrschende Verhältnisse auf den Kopf gestellt, bis am Aschermittwoch die Fastenzeit beginnt. Daher lautet hier der Schriftzug hier "Purim beziehungsweise Karneval“. Dabei wird Karneval als eine Art Schwelle oder Übergang verstanden zwischen dem Leben im Alltag und der Zeit der Vorbereitung auf das Fest der Auferstehung Christi.

So bringen die Plakate ohne viel Text Beziehungen zwischen unserer christlich geprägten Kultur und dem Judentum öffentlich zum Ausdruck. An der bundesweiten Kampagne unter dem Titel „#beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als Du denkst“ beteiligen sich aus dem Ev.- luth. Kirchenkreis Burgdorf alle Kirchengemeinden in Burgdorf und die Kirchengemeinde Immensen. Außerdem ist die Katholische Pfarrgemeinde St. Nikolaus mit den Orten Burgdorf, Uetze, Hänigsen dabei, ebenso die Neuapostolische Gemeinde in Burgdorf. In der Christlichen Seelsorge in der Justizvollzugsanstalt Sehnde wird das Thema in einer Online-Andacht aufgegriffen. Weitere Kirchengemeinden aus dem Kirchenkreis Burgdorf denken über eine Teilnahme nach.

Verantwortet wird die Plakataktion schwerpunktmäßig von zahlreichen Landeskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), mehreren in der Deutschen Bischofskonferenz organisierten röm.-kath. Bistümern sowie Erzbistümern und dem Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit (DKR), also dem Gremium das alljährlich die renommierte Auszeichnung der Buber-Rosenzweig-Medaille vergibt.

Die Plakatmotive wechseln alle paar Wochen. Auf jedem Plakat ist unten links ein QR-Code zu finden. Dieser Code führt eingescannt zur Homepage www.juedisch-beziehungsweise-christlich.de. Auf dieser Homepage finden sich vertiefende Informationen zu den jeweiligen Themen. Zusätzlich gibt es an jedem dritten Dienstag im Monat ein digitales Vortragsangebot zu den Themen, auch zu finden auf der genannten Homepage.

1.700 Jahre lang leben Jüdinnen und Juden im deutschsprachigen Raum! Im Jahr 321 wurde in einem Schreiben von Kaiser Konstantin die jüdische Gemeinde in Köln erstmals erwähnt. Es ist der erste urkundliche Beleg für eine jüdische Präsenz nördlich der Alpen.

Seitdem ist in der Geschichte von jüdischem Leben in Deutschland viel Schreckliches geschehen. Und es geschieht noch heute. Der Antisemitismus ist nicht verschwunden. "Wir dürfen nicht wegschauen, müssen eindeutig Stellung gegen Antisemitismus beziehen und aufklären. Das ist die Aufgabe von Christen und Christinnen, Aufgabe der Kirchen. Gleichzeitig gibt es viel Gutes, was geschieht, Begegnung, gemeinsame Aktionen, voneinander und miteinander lernen und leben in Deutschland", sagt Pastorin Friederike Grote von der St.-Pankratius-Kirchengemeinde.

So sind für das Jubiläumsjahr 2021 „1700 Jahre Juden in Deutschland“ vielerlei Projekte und Aktionen geplant. Entstanden aus einer Initiative der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), hat sich diese Kampagne „#Beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkst“ zu einem deutschlandweiten ökumenischen Projekt entwickelt, das von der EKD und der Deutschen Bischofskonferenz aufgenommen wurde und unterstützt wird.

Viel weiter zurück als 1700 Jahre reicht die Verbindung zwischen christlicher und jüdischer Glaubensweise. Das Christentum hat seine Wurzeln im biblischen Judentum: Jesus war Jude und seine ersten Jüngerinnen und Jünger auch. Gerade bei kirchlichen Festen wird dieser Zusammenhang vielfach deutlich – zum Beispiel bei Ostern/Passah und Pfingsten/Schawuoth (dem jüdischen„Wochenfest“).

Die ökumenische Kampagne regt dazu an, im Jubiläumsjahr 2021 die enge Verbundenheit von Christentum und Judentum im Alltag neu zu entdecken. Unterschiede gibt es viele und die bleiben stehen. Jedoch gibt es immer wieder auch Parallelen, manchmal versteckte Gemeinsamkeiten und überraschende Nähe.

"Schauen Sie doch mal vorbei in den Schaukästen der Kirchengemeinden, informieren Sie sich auf deren Homepages, nehmen Sie an den Vorträgen teil, sofern Sie die Möglichkeit haben, oder sprechen Sie Menschen aus den Kirchengemeinden darauf an, wenn Sie Fragen haben oder ins Gespräch kommen wollen", sagt Friederike Grote stellvertretend für die an der Plakataktion teilnehmenden Kirchengemeinden.

fg/sh

Mehr Infos: www.juedisch-beziehungsweise-christlich.de.

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